Monatsgedanken Februar 2018

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Originale - Ein bewegendes Thema!
Pfr. G. Hemmeler,
Originale

Es hat sie immer gegeben, und für mich als Pfarrer waren sie oft faszinierend: Dorforiginale. Menschen, die ein aussergewöhnliches Leben lebten; immer ein wenig abgeschieden, sind sie auch aufgefallen durch unmodische Kleidung, und ihr ganzes Verhalten entsprach nicht dem Zeitgeist. Meistens waren es ältere Männer oder Frauen, auch Ehepaare, die am Rande des Dorfes lebten. Ich habe viele von ihnen in meiner mehr als 32 jährigen Tätigkeit als Pfarrer kennen-gelernt. Zum Beispiel Männer mit langen, weissen, oft etwas ungepflegten Bärten. Oder eine Frau, die in der Gemeinde lebte, in der ich vor meinem Umzug nach Altnau tätig war. Sie hat sich nach jeder Beerdigung bei jedem Leidmahl „selber eingeladen“. Eigentlich eine Frechheit. Aber irgendwie hatte die Dorfbevölkerung das akzeptiert, meistens zumindest. Als Lina – so hiess sie mit Vornamen – dann starb, brauchte man lange, um ihre Wohnung zu räumen. Alles war vollgerümpelt – etwas wegzuschmeissen hatte sie einfach nicht über sich gebracht; wer weiss, es könnten ja wieder mal schwere Zeiten anbrechen, und dann hätte man für diese Dinge ja wieder eine Verwendung… Nach moderner Sprachregelung würde man solch eine Person als „Messie“ bezeichnen, als sammelwütige Person. Aber zumindest lag sie – wie viele andere Originale – nicht der Allgemeinheit auf der Tasche. Und letzteres ist mir besonders wichtig. Denn in den letzten Monaten habe ich mich hier in Altnau sehr mit solch einem Dorforiginal beschäftigt und kann es kaum fassen, wie dominant die KESB („Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde“) hier in den Lebensentwurf einer erwachsenen Person eingreift. Dass ich da nicht besser helfen konnte, hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Das jedenfalls meint Ihr Pfr. G. Hemmeler
Autor: Manuela Henry     Bereitgestellt: 30.01.2018    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch